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Kleine Zeitung Murtal

Vertäfelt, aber nicht resistent gegen Gänsehaut

 

Man darf von dem regionalen Projekt rund um Lore Schrettner beeindruckt sein: Johannespassion im Kulturhaus Knittelfeld, 700 Zuhörer erlebten Großes.

Akustisch irreal schön bohrt die Krone ihre Dornen in seine Schläfen, später skandiert der mächtige Chor Kreuzigungsrufe. Der Zuhörer spürt förmlich, wie Blut über die Wangen rinnt. Schwer ließe sich das schaurige Verlangen in vergleichbar eindringliche Worte oder nahegehende Bilder kleiden wie Johann Sebastian Bach es mit seiner Musik vollbringt. Vorausgesetzt, entsprechende Interpreten von hoher musikalischer Kompetenz, Diszipliniertheit, Ausdauer sind am Werk.

 Sie waren es, Sonntag Abend im Kulturhaus Knittelfeld: Johannespassion in konzertanter Aufführung, bald 300 Jahre nach ihrer Uraufführung in der Leipziger Nikolaikirche. Nun bietet das Kulturhaus alles andere als barocke Atmosphäre. aber bei solch monumentaler Formgebung machen selbst nackte Holzvertäfelung und ebensolches Licht nicht gänsehautresistent. Man darf beeindruckt sein, was sich aus einer Auswahl bezirksbester Laiensänger, eingebettet in die Professionalität eines Kammerorchester Accento unter seiner Konzertmeisterin Lore Schrettner über die Solisten bis zur Gesamtleitung eines Franz Jochum formen lässt. Ein registrierter WC-Austritt und dreieinhalb Huster während zweier pausenfreier Stunden sprechen Bände - und wir reden von einem mehr als ausverkauften Saal mit vielleicht 700 Zuhörern. So viel zur Einschätzung, "Hoch"kultur am Land sei Minderheitenprogramm.

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